Dämmung der Innenwand mit Kork

Das Arbeitszimmer blieb Kalt

Im Winter 2019 auf 2020 hatte ich endlich mal die Zeit gefunden sowohl die Heizkennline als auch den hydraulischen Abgleich meiner Heizungsanlage korrekt einzustellen. Leider musste ich feststellen, dass unser Arbeitszimmer immer etwas zu kühl war. Eine weitere Anhebung der Vorlauftemperatur führte immer zu einer zu hohen Temperatur im Referenzraum und konnte auch durch Anpassung des hydraulischen Abgleichs nicht mehr vernünftig ausgeglichen werden.

Bei genauerer Begutachtung der Außenwand der Arbeitszimmers konnte man auch feststellen, dass die Außenwand äußerst kalt war und es zumindest gefühlt etwas zog. 

Leider war die kühle Außenwand nicht vom Nachbarhaus bedeckt


In unserem Fall lag es daran, dass unser Reihenhaus leicht seitlich versetzt zum Nebenhaus
steht und so auf allen vier Seiten freiliegende Wände sind.

Da eine Außendämmung derzeit nicht geplant ist haben wir nach einer Möglichkeit gesucht den Heizbedarf im Arbeitszimmer etwas zu reduzieren. Und diese ohne massivste Umbauarbeiten durchführen zu müssen oder durch Schaffung von Kältebrücken etc. eine Schimmelpilzfarm zu eröffnen. 

Kork als Atmungsaktiver Dämmstoff

Kork kann als Dämmstoff sowohl im Außen- als auch im Innenbereich verwendet werden. Des Weiteren ist er Atmungsaktiv und unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil ist seine schwere Entflammbarkeit.

Eine weitere Eigenschaft ist die rustikale Optik welche durch Anbringung einer Korkverkleidung in die einzelnen Räume einzieht.

Kritisch könnte man bei Kork jedoch die langen Transportwege betrachten die der Naturstoff bis zu den eigenen vier Wänden zurücklegen muss.

Kork hat nach der Ernte mitunter weite Transportwege zurückzulegen (Quelle: Pixabay)


Für weiterführende Informationen kann ich nur den Beitrag: "Besonderheiten einer Korkdämmung im Überblick" auf Engergiexperten.org empfehlen.

Materialbestellung im Internet

Die Beschaffung des Materials war insgesamt etwas schwieriger. Die üblichen Baumärkte bieten allerhöchstens Kork an der ausreichend Stark ist um eine Pinnwand neu zu bekleben. Um einen Einfluss auf die Raumtemperatur feststellen zu können haben wir daher Stärken ab 20mm aufwärts gesucht.

Gefunden haben wir dann den Shop Korkonline.de. Der Shop scheint eine Tocherseite zur niederländischen Seite Kurk24.nl zu sein. Neben der Adressangabe kann man dies auch an den auffälligen kleinen Rechtschreibfehler auf der Seite erkennen.

Nichtsdestotrotz war die Webseite sehr schnell im Versand und die Qualität ist Top. Wir haben uns für das Arbeitszimmer im Anschluss für Kork mit einer Materialstärke von 30mm entschieden.


Die Verarbeitung

Die Korkplatten sind recht schwer und machen einen massiven Eindruck. Wer befürchtet leicht zerbrechliche und empfindliche Platten zu bekommen kann sich beruhigt entspannen und auf einen angenehmen Werkstoff freuen.

Die betroffene Wand während der Montage. Das Verlegen und Sägen ging deutlich leichter als gedacht. Auf der Holzleiste sollte später wieder das IKEA Kallax stehen.



Auch die kleine Wandfläche zwischen Fenster uns Außenwand wurde mit Kork beklebt. Etwas fummelig war das herausschneiden der Steckdosen.

Zum Sägen habe ich meine altbewährte Stichsäge und ein älteres Sägeblatt genommen. Aufgrund der Beschaffenheit von Kork musste die Schnittkante vorher lediglich mit Klebeband überklebt werden. Ansonsten könnte es mit dem Anzeichnen etwas schwieriger werden. 

Das Sägen des Materials ist problemlos und die Stichsäge konnte einen schönen geraden Schnitt erzeugen. Ich habe mich für ein ehemals für Laminat beschafftes Sägeblatt entschieden. Selbst kleine Körner konnten von der Maschine halbiert werden ohne diese auszubrechen. Insgesamt ein wirklich sehr sehr angenehm zu bearbeitendes Material.


Die Bearbeitung gestaltet sich spielend leicht.



Die Schnittkanten können sich sehen lassen. Ich habe mich daher sogar dazu entschieden die Schnittkante am Fenster nicht mehr mit einer Leiste zu verkleiden.



Das Regal ist mit 10er Schrauben an der Wand befestigt. Die Korkplatten haben der Kraft beim Anziehen problemlos standgehalten.



Das Verkleben war dann schon wieder etwas aufwändiger. Mit einer Kelle wird der Kleber auf die Wand aufgetragen, mit einem Zahnspachtel verteilt und anschließend der Kork aufgedrückt. Nach dem Andrücken müssen die Platten noch mit einem Gummihammer angeklopft werden. Um Flecken zu vermeiden empfiehlt es sich den Gummihammer in ein T-Shirt zu wickeln. 

Das ganze Prozedere ist nicht wirklich aufwändig. Allerdings ist der Kleber sehr zäh und neigt schon nach knapp 10 Minuten zum aushärten. Ein Vorteil des Klebers ist jedoch, dass er sich problemlos mit Wasser von Haut und Werkzeug entfernen läßt. 

Bei der Bestellung oder beim Kauf des Kleber sollte man auch nicht allzu Sparsam sein. Bei einer ganzen Wand braucht man mit 1kg gar nicht erst anfangen. Man sollte schon mit mindestens 10kg Kleber rechnen.



Tipp: Eimer mit lauwarmen Wasser und Spüli daneben stellen, sowie eine Rolle Küchentücher bereithalten.

Fertigstellung und Bewertung

Nach knapp einem Tag arbeit war dann alles erledigt und das Arbeitszimmer konnte sich mit einer komplett neuen Optik vorstellen. Die ehemals unangenehm kalten Außenwände fassen sich jetzt mit einer angenehmen Temperatur an und die ehemals gefühlte Zugluft gehört der Vergangenheit an.


Arbeitszimmer in abendlicher Beleuchtung. Wie erwähnt habe ich mich dazu entschieden keine Abschlussleiste auf dem Kork in Nähe des Fensters zu montieren.


Neben der jetzt gefühlt deutlich wärmeren Temperatur im Arbeitszimmer konnte diese gefühlte Verbesserung auch durch die verbauten Sensoren für die Einzelraumregelung bestätigt werden.


In der Regel blieb die Temperatur immer im Bereich von 19°C. Aber ...




... bereits kurz nach Abschluss der Maßnahmen konnte sich die Temperatur bei >21°C einpendeln.


Insgesamt bleibt die Temperatur jetzt bei >21°C (Ohne Änderung der Heizkurve!) was zur Tätigung von Schreibarbeit eine angenehme Temperatur ist. Insgesamt hat mich die Komplette Maßnahme knapp über 330€ und einen freien Tag gekostet. In den Heizkosten werde ich dies sicher nicht unbedingt einsparen. Aber für ein angenehmes Wohnklima in einem weiteren Raum ist mir das Geld gut angelegt.

Die Dämmung der Außenwand sollte aber als ganzheitliche Maßnahme durchgeführt werden. Sind die alten Rollladenkästen beispielsweise noch ungedämmt oder sehr alte Fenster verbaut, wird sich der Effekt in Grenzen halten. In diesem Fall würde ich einen Fenstertausch sowie korrekte Dämmung des Rollladenkastens vorziehen und Kork erst als letztes anbringen.

Ein weiterer Punkt ist der Kork spezifische Eigengeruch. Dieser ist auch nach mehreren Monaten noch zu bemerken. Wer mit dem Geruch von Kork (Vergleichbar mit einem Fichtenwald an einem sonnigen Tag) Probleme hat sollte entweder gut lüften oder eine Alternative suchen. Mir persönlich gefällt auch dies sehr gut.


Auch die ansässige Hauskatze war direkt dazu bereit das neue Wohnklima im Arbeitszimmer auszutesten.


Update vom Juni 2020

Nach dem Winter ist vor dem Winter. Und So haben wir uns entschieden noch weitere Außenwände mit Kork zu verkleiden. Da diese jedoch in keinem Fall als Pinnwände genutzt werden sollen haben wir uns in diesem Fall dazu entschieden die raue Seite der Platten zu verwenden.

Auch die Ecken ließen sich gut ausschneiden. Es empfielt sich aber die Nutzung einer Schablone.


Die rauere Seite bietet einen ganz anderen Look als die geschliffene Seite.